Künstliche Intelligenz spielt heute in vielen Teildisziplinen der Medizin eine wichtige Rolle. RADIO-LOG setzt bereits verschiedene KI-Lösungen in der Radiologie und Strahlentherapie ein. In den vergangenen Jahren hat der Gesundheitsdienstleister verschiedene KI-Lösungen getestet. Für die Autokonturierung von CT- und MRT-Bildern testete er Anwendungen verschiedener Firmen. Erste Softwarelösungen wurden bereits 2023 erfolgreich implementiert. Seitdem werden kontinuierlich neue Entwicklungen beobachtet und neue Softwarelösungen getestet. So können die Systeme in den RADIO-LOG Strahlentherapien unter anderem die Positionen von Risikoorganen millimetergenau bestimmen und abgrenzen. Die Autokonturierung durch KI führt zu einer präziseren Strahlentherapie und wirkt sich dadurch noch schonender auf das gesunde Gewebe aus. Zudem entlastet die Software Therapeutinnen und Therapeuten, denn die präzise Abgrenzung der gesunden und der zu behandelnden Organe ist sehr aufwendig. Dies führt zu einer bedeutenden Zeitersparnis, ersetzt jedoch nicht die Mediziner. Die KI ermöglicht ihnen mehr Zeit für ihre Kernaufgaben, den Kontakt mit Patientinnen und Patienten und deren Befinden in einem sehr technischen Umfeld.
Zusätzlich zur Autokonturierung testet der MVZ-Betreiber ein KI-gestütztes Modul in der Bestrahlungssoftware, um Medizinphysikexperten zu entlasten. Für jede Bestrahlungsregion kann ein Mastermodel aus bereits geplanten Bestrahlungsplänen moduliert werden. Im Rahmen einer neuen Bestrahlungsplanung gibt das Mastermodel für die ausgewählte Region einen statistischen Vergleich zwischen dem aktuellen Patienten-CT und dem Model vor. Mit dieser Vorhersage kann der Medizinphysikexperte den individuellen Bestrahlungsplan weiter optimieren und hat im Ergebnis immer einen DVH-Abgleich zum Mastermodel. Wirft man einen Blick in die Zukunft, so sind mit der automatischen Konturierung von Organen und Zielvolumen in Kombination mit einer schnell und effektiv ablaufenden Bestrahlungssoftware strahlentherapeutische Behandlungen denkbar, welche auf die tagesaktuelle Autonomie eines Patienten eingehen können und adaptive Änderungen in Echtzeit vornehmen. Die Systeme sind auch schon auf dem Markt, können die hohe Kapazität in der Strahlentherapie und die Adaption in Echtzeit aber noch nicht abdecken. Die adaptiven Bestrahlungstechniken werden den Erfolg einer strahlentherapeutischen Behandlung nochmals steigern, besonders indem sie Nebenwirkungen reduzieren.
Einführung von KI-Lösungen
Bei der Vielzahl von KI-basierter Software trifft das Projektteam zunächst immer eine Vorauswahl. Anschließend werden die KI-Lösungen von Mitarbeitenden aus Medizin und IT im Detail betrachtet, bevor mögliche Anwendungen für die Standorte der Strahlentherapie in Passau, Altötting, Deggendorf, Günzburg, Hof und Neu-Ulm ausgewählt werden. Dort hat jeder Mitarbeitende die Möglichkeit, die KI-Lösungen zu testen. Koordiniert wird die Testphase von einem Projektverantwortlichen, dieser ist bei der Vielzahl der Standorte unverzichtbar. Er sammelt Feedback und fördert den Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen. Nach Abschluss der Testphase werden die verschiedenen Anwendungen validiert und eine Entscheidung getroffen.
Die Ergebnisse der künstlichen Intelligenz, sei es bei Prozess- oder Befundentscheidungen, müssen immer kritisch betrachtet, ärztlich validiert und für die jeweiligen Rahmenbedingungen als geeignet eingestuft werden. Auch bei den technikaffinen Disziplinen wie Radiologie und Strahlentherapie steht der Patient im Mittelpunkt, der auf ärztliche Empathie angewiesen ist. Die Vielzahl von Entwicklern auf dem KI-Markt bringt zudem immer wieder neue Software-Angebote hervor, die bei der Auswahl kritisch geprüft werden sollten. Kernpunkt bei der Einführung einer KI-gestützten Software ist neben den Ergebnissen auch die Akzeptanz durch die ärztlichen und nichtärztlichen Mitarbeitenden. Wichtig bei der Auswahl des Systems ist deshalb auch die einfache Handhabung. Die Inbetriebnahme der Systeme sowie die Softwarepflege sind sehr kostenintensiv. Hier bedarf es stärkerer Unterstützung zur Finanzierung aus der Politik, denn in Zukunft muss in der Gesundheitsbranche mit weniger Fachpersonal mehr Leistung erbracht werden. Um die Entwicklung von KI und weiteren innovativen Technologien in der Medizin voranzutreiben, braucht es entsprechende Förderprogramme, die Gesundheitseinrichtungen dabei unterstützen.